Orientalischer Tanz und Poledance: Die gleiche Challenge!
Danke an Mélanie, Trainerin und Poledance-Künstlerin in Mulhouse (Frankreich), für die Beantwortung unserer Fragen, die es uns gestattet, die Hintergründe und Zusammenhänge dieser Aktivität zu verstehen, welche sich in der Blüte ihrer Entwicklung befindet, jedoch nur einem kleinen Publikum bekannt ist.

Was ist Poledance und wie lautet seine Geschichte?
Poledance ist eine Luftkunst, welche an einer vertikalen Stange praktiziert wird. Sie verbindet Kraft, Anmut und Geschmeidigkeit, indem sie Tanz und Akrobatik mischt. Poledance entstand in den Stipclubs der Sechzigerjahre und entwickelte sich in den angelsächsischen Ländern, bevor es seinen weltweiten Siegeszug antrat. Der erste französische Poledance-Wettbewerb entstand im Jahr 2009 und wurde von Mariana Baum konzipiert.
Welche sind genau die Vorurteile gegenüber dem Poledance?
Dem Poledance haftet seit jeher ein zweifelhaftes Image an. Praktiziert man es jedoch wird man sich dessen gewahr, dass es rein gar nichts mit dem zu tun hat, was man zunächst glaubt.
Eine kleine Anekdote. Vor einigen Jahren habe ich in meiner Poledance-Schule eine Gruppe Männer empfangen, welche einen Junggesellen-Abschied feiern wollte. Als sie eintrafen, gingen sie davon aus, dass ich ihnen eine sexy Sohle aufs Parkett legen würde und sie auch dafür bezahlt hätten! Ich lächelte und bat sie, sich in ihr Trainings-Outfit zu werfen. Natürlich hatten sie keines dabei und so fanden sie sich in Boxershorts wieder. Ich eröffnete die Einheit mit einem intensiven Aufwärmtraining. Sehr schnell, nach zwanzig Minuten, hatten sie sich bereits beruhigt! ;-) Anschließend habe ich ihnen einige Grundfiguren sowie einige schwierige Figuren beigebracht. Der Kurs hat 1 h 30 gedauert. Am Ende der Sitzung war ich begeistert zu sehen, wie ihre Sichtweise auf die Disziplin sich gewandelt hatte. Ihnen war bewusst geworden, wie anspruchsvoll es auf körperlicher Ebene ist.
Die Meinungen unterliegen einer Trendwende, welche sich jedoch nur langsam vollzieht. Oftmals setzt dieser Wandel erst durch praktische Erfahrungen ein, welche man im Rahmen einer Einführung macht. Ohne eine solche bleiben Vorurteile gegenüber dieser eher jungen Aktivität leider fest in den Köpfen verankert.
Welches sind die physischen Voraussetzungen, um Poledance praktizieren zu können?
Der Vorteil des Poledance ist, dass man – entgegen allgemeiner Annahmen – in jedem Alter und ohne bestimmte körperliche Voraussetzung damit beginnen kann. Jeder kann es praktizieren. Natürlich eignet es sich besonders für diejenigen, die bereits eine sportliche Vorgeschichte haben (aus den Bereichen Gymnastik oder Tanz, beispielsweise), jedoch bleibt die Aktivität jedem zugänglich.
In Abhängigkeit der eigenen Motivation sowie der verfügbaren Trainingszeit, ist es möglich sehr schnell Fortschritte zu machen. Das Repertoire an Poledance-Figuren ist derart breit gefächert, dass quasi keine Grenzen gesetzt sind und man sich stetig, ohne Überdruss und unbegrenzt weiterentwickelt.
Welches sind die Vorteile des Poledance (physisch und mental)?
Zunächst einmal ist das Praktizieren von Poledance sehr spielerisch. Man lacht, amüsiert sich und zieht Vergnügen daraus, ohne dass einem die körperliche Anstrengung bewusst ist. Jede Sitzung ist eine echte Challenge! Zu Beginn kann man sich bei einigen Figuren nicht vorstellen, sie ausführen zu können. Im Laufe der Einheit bemerkt man jedoch, dass es machbar ist. Man denkt an nicht, bleibt konzentriert auf das, was man gerade tut und genießt schlussendlich die Befriedigung es geschafft zu haben! Das macht süchtig; man hat dauernd das Bedürfnis es noch einmal zu probieren und dabei immer weiter zu gehen.
Im Laufe des Praktizierens, verinnerlicht der Körper automatisch die richtigen Bewegungsabläufe, gewinnt an Spannung und verfeinert sie. Es durchströmt einen bis in den kleinen Zeh!
Inwiefern ist Poledance tatsächlich eine vollwertige Kunst und variantenreiche Disziplin?
Poledance besitzt den Vorteil, sich besonders für das Spiel mit der Fusion verschiedener Aktivitäten zu eignen.
So kann man „Sport Poledance“ und „Fitness Poledance“ praktizieren oder dynamische und akrobatische Figuren performen.
Man kann den Tanz an der Stange auch weiterentwickeln, indem man Bewegungen aus dem klassischen Tanz, modernen Tanz, Street Jazz… integriert.
Auch „sexy Choreografien“ und „Exotic“ sind möglich. In dem Fall wird man beim Einstudieren mehr Wert auf Sinnlichkeit, wohlige Bewegungen und Glamour legen, welche insbesondere die Beweglichkeit der Beine erfordern.
Die Disziplin kann ebenfalls anlässlich besonderer Gelegenheiten praktiziert werden, wie zu Geburtstagen, Hochzeiten, verschiedenen kulturellen Veranstaltungen. Hier lässt man seiner Vorstellungskraft freien Lauf und kann wahrhaftige bildliche Kunstwerke erschaffen, welche dem Publikum ein Universum und eine Geschichte näher bringen.
Wie gewährleistet man die Sicherheit der Übenden beim Poledance?
Wenn man Poledance übt, verfügt man über eine Crash-Matte (ein Bodenteppich von 14 cm oder 20 cm Dicke), welche eventuelle Stürze abfedert. Im Allgemeinen jedoch, ist es die Lehrerin, welche ihrer Schülerin Hilfestellung leistet, wenn es um komplexe Figuren geht. Und während des Trainings leisten die Schülerinnen sich auch untereinander Hilfestellung. Während der Kurse gibt es enorm viel gegenseitige Unterstützung, woraus eine gute Energie entsteht.
Welches Outfit eignet sich am besten, um im Alltag Poledance während des Trainings zu praktizieren?
Ideal ist es, Poledance mit einem kurzen Shorty und einem Sport-BH zu praktizieren, da mehr freie Haut mit einem verbesserten Halt an der Stange einhergeht. Tatsächlich ist es der Hautkontakt, welcher mehr Halt bei Figuren bietet.
Welche Art von Kleidung kann für eine Bühnenperformance beim Poledance verwendet werden?
Um eine Vorführung zu präsentieren, sollte man – ebenfalls aus Gründen der besseren Haftung - unbedingt ein kurzes Höschen und ein kurzes, möglichst offenes Oberteil tragen. Um die Darbietung zu veredeln, kann Letzteres mit Strass, Pailletten, Federn verziert sein... Man kann auch Accessoires wie beispielsweise Schleier verwenden, um die Inszenierung zu optimieren.
Wie entstand Ihre Leidenschaft für die Welt des Poledance und wie ist ihr Werdegang in diesem Bereich?
Schon immer waren körperliche Ausdrucksformen lebenswichtig für mich. Ich habe klassischen Tanz und modernen Tanz praktiziert, dann rhythmische Sportgymnastik (RSG) betrieben.
Vor etwa 20 Jahren hatte ich meine rebellische Phase und habe in Stripclubs gearbeitet. Ich liebte den Tanz, die Bühne und die Sinnlichkeit. So war ich zwei Jahre lang Showgirl.
In 2009, während ich das Video eines Poledance-Wettbewerbs ansah, entdeckte ich Doris Arnold (die 2013 französische Meisterin geworden war). Diese Athletin und ehemalige Stripperin zaubert mir ein Funkeln in die Augen.
In 2010, entschied ich mich dazu, mich mit anderen internationalen Künstlerinnen ausbilden zu lassen, darunter Michelle Shimmy, Oöna Kivela, Jenyne Butterfly…
In 2012, gründete ich gemeinsam mit meiner Schwester Poledance Mulhouse. Heute hat sich dieses Tanz-Studio weiterentwickelt und wurde in „Studio Cocoon“ umbenannt. Ein Ort, an dem man Poledance aber auch Pilates und Luftkünste praktizieren kann.
Heute erfüllt es mich, an der Verbreitung von Poledance mitwirken zu können, diese Disziplin mit meinen Schülerinnen teilen zu können und zur Entwicklung der Meinungen darüber beitragen zu können.

























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