Leila HADDAD: eine prominente und engagierte Persönlichkeit in der Welt des Bauchtanzes
Danke an Leila HADDAD, unumstrittene Pionierin im Bereich des orientalischen Tanzes, für die Gesamtheit ihrer Antworten während unseres Interviews.
Ihr Werdegang im Bauchtanz ist exemplarisch… Können Sie für uns die Blütezeiten Ihrer Karriere nachzeichnen – von der Entstehung Ihrer Leidenschaft bis heute?

Meine Leidenschaft für den orientalischen Tanz wurde mit mir gemeinsam geboren… Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich daraus meinen Hauptberuf machen würde, zwischen dem Unterricht (also dem Wissenstransfer) und der Bühne.
Meine ersten Gehversuche auf der Bühne erfolgten durch politisch inspiriertes Theater, während meines Literaturstudiums in Großbritannien. Dies brachte mich im Anschluss dazu, meine eigenen choreografischen Werke zu kreieren und aufzuführen.
Meine Ambition war es, den orientalischen Tanz in den modernen Tempeln zu etablieren, welche die heutigen Theater sind. Zudem habe ich wie eine Löwin gekämpft, um endlich die Anerkennung dieser Kunst zu erreichen, welche seit mehreren Jahrtausenden in kulturellen Stätten anzutreffen ist, damit sie endlich Teil der großen Familie der Tanzarten ist.
Welche Träume möchten Sie sich im Bereich des Bauchtanzes noch erfüllen?

Mein Traum ist noch immer der gleiche: die Anerkennung meiner Kollegen, von Tänzern aus der klassischen, zeitgenössischen, modernen Welt… Uns steht noch ein weiter Weg bevor, bis dem orientalischen Tanz die gebührende Ehre zuteil wird. Obwohl ich seit vielen Jahren die gesamte Welt bereise und choreografische Stücke als Solo oder gemeinsam mit meiner Truppe darbiete, bleibt meine Ambition das Theater auf allen Bühnen der Welt, da diese mein Sprungbrett sind, um mir Gehör zu verschaffen; mein Körper mäandert durch die arabisch-berberische Welt des Okzidents. Meine choreografischen Werke beinhalten verschiedene Themen – von Poesie bis hin zu politischen Statements.
Die Abbildung zeigt «Den Bauch des Gebirges – Dance with the dreamers» und erzählt von der traurigen Geschichte des afroamerikanischen Kampfes für die Bürgerrechtler, mit Dr. Martin Luther King, Malcom X, den Black Panthers, Rosa Park und sogar Nelson Mandela, welcher sich gegen die Apartheid in Südafrika einsetzte. Ein wenig glamouröses Thema…
Es dauerte einige Jahrzehnte, bis der zeitgenössische Tanz weitgehend bekannt und anerkannt war. Ich weiß, dass es auch seine Zeit brauchen wird, bis der Bauchtanz salonfähig sein wird und aus der orientalischen Ghetto-Ecke heraustreten kann, um gleichberechtigt neben anderen Tanz-Disziplinen zu stehen.
I m Rahmen Ihrer mit dem orientalischen Tanz verbundenen Aktivitäten sind Sie extrem viel herumgekommen. Welchen Vergleich können Sie zwischen den verschiedenen Ländern ziehen, die Sie im Zusammenhang mit dem Bauchtanz bereist haben?

Unabhängig vom Land bleibt das Problem das gleiche: die mangelnde Wertschätzung des orientalischen Tanzes. Ich höre immer und überall dieselben Klischees, welche wie Pech an einem kleben und stelle fest, dass die Leute den Bauchtanz noch immer nicht als eigenständige Disziplin betrachten – anders als westliches Ballett, zeitgenössischen Tanz, Jazz, Baratha Natyam…
Ein konkretes Beispiel: Wenn ich mich in einem Tanzkurs für Modern’Jazz oder zeitgenössischem Tanz mit Schülerinnen unterhalte und sie frage, wie lange sie schon praktizieren, antworten sie häufig "erst 4 bis 5 Jahre". Obwohl sie an fünf bis sechs Trainings pro Woche teilnehmen, sind sie nach wie vor Anfängerinnen.
Beim orientalischen Tanz verläuft diese Unterhaltung gänzlich anders. Nach ein paar Trainings und ein paar Workshops betrachtet man sich als Profi. Natürlich ist das etwas verallgemeinernd… Es gibt auch die Fälle von Tänzern und Tänzerinnen, welche sich langfristig dieser Disziplin verschreiben, um sich darin weiterzuentwickeln.
Das Problem ist weniger das Land, als viel mehr die Mentalität, welche sich zwangsläufig entwickeln muss, wenn man den Bauchtanz ernsthaft betreiben möchte.
Die Terminologien wie Tänzer / Tänzerin, Interpret, Choreograf sollten nicht zweckentfremdet oder verwässert werden…
Misserfolge sind integraler Bestandteil des Lebens. Was war Ihre größte Enttäuschung im Laufe Ihrer Karriere als Bauchtänzerin und warum?

Als ich mein politisches choreografisches Stück für 7 Interpreten präsentierte, welches über mehr als 1 h 30 ging und den Namen «Der Bauch des Gebirges – Dance with the dreamers» trug. Am Ende der Aufführung begegnete ich einigen Personen aus dem Publikum, die es bedauerten, dass ich keinen Baladi oder mit Zimbeln gatnht hatte, welche vollkommen das behandelte Thema verfehlt hätten. Mir tat dieser Mangel an kultureller Bildung leid, diese mangelnde Offenheit bezüglich eines so wichtigen Themas wie diesem hier. Und das, obwohl ich eine quasi erklärende Inszenierung dargeboten hatte, welche die Übergriffe des Ku-Klux-Klans auf die afroamerikanische Bevölkerung darstellte…
Was war – im Gegenteil – Ihr größter Erfolg?
Meine schönsten Erfolge nahmen im Rahmen von Tanzfestivals ihren Lauf, bei denen eine immense Palette an Choreografen und Tanz-Crews diverser Disziplinen vertreten war. Dazu gehörte jedoch auch, mythische Szenen in der ganzen Welt dargeboten zu haben, was zu einer Form von Anerkennung des orientalischen Tanzes beitrug, die ich bis heute mit viel Liebe zur Sache, Inbrunst und Hartnäckigkeit verteidige…
Zu guter Letzt sind es die Augenblicke nach einer Aufführung, wenn man eher von Emotionen schwärmt, als von meinem oder meinen Bauchtanzkostüme(n).
Welches ist Ihre ganz persönliche Definition von orientalischem Tanz?

Zunächst und vor allem anderen, ihn bei seinem echten Namen zu nennen: «RAQS EL SHARQI» auf Deutsch übersetzt «orientalischer Tanz» oder auf Englisch «Oriental Dance». Die Begriffe «Rock and Roll», «Jazz» oder «Baratha Natyam» wurden nie übersetzt… Warum also klebt diese koloniale und postkoloniale Etikette nach wie vor an unserer Kultur?
Welche französischen Bauchtänzerinnen der neuen Generation entflammen Ihre Leidenschaft und berühren Sie ganz besonders?
Ich gestehe meine absolute Ahnungslosigkeit in diesem Bereich. Die Quellen meiner Inspiration und Bewunderung entstammen dem Tanz im Allgemeinen, unabhängig vom Tanzstil oder dem Ursprung. Diese Persönlichkeiten beflügeln mich: Isadora Duncan, Loie Fuller, Ruth St Denis, Martha Graham, Tahia Carioca, Naima Akef, Samia Gamal, Katherine Dunham, Arthur Mitchell, Bill T Jones, Alvin Ailey…
Entdecken Sie Leila HADDAD in diesem Video:

























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