"Drum Solo", "Belly Hips Cardio": Die Antworten und der Werdegang der talentierten Soraya

Danke an Soraya SAADI, Bauchtänzerin und Lehrerin für orientalischen Tanz in Lyon (Frankreich), für die Beantwortung unserer Fragen bezüglich ihrer Aktivitäten und ihrer Karriere.

Als Expertin für Bauchtanz: Können Sie uns ganzheitlich über das "Drum Solo" informieren?

Das "Drum Solo", auch Percussion Solo oder Tabla Solo genannt, ist einer der dominanteren Stile des orientalischen Tanzes. Es zeichnet sich hauptsächlich durch das gespielte Instrument aus, welches die Tänzerin begleitet: das Tabla/Derbuka. Die Tänzerin führt eine zumeist dynamische und feierliche Performance in dem Ziel aus, das Publikum zu verblüffen, indem sie ihre gesamten technischen Fähigkeiten demonstriert, mit Kraft und Präzision. Die Bewegungen der Tänzerin müssen mit den Percussions in Einklang sein. Dies wirkt, als ob die Tänzerin die Rhythmen mit ihrem ganzen Körper malen würde. Die oberen und unteren Glieder des Körpers werden bewegt, mal paarweise, mal unabhängig voneinander, die Arme, die Schultern, die Brust, die Hüften, das Becken oder andere Körperpartien… Die Tänzerin ist choreografisch frei in ihrem Streben. In der Tat, kann sie spielen, sich mit verschiedenen Klangfarben ausprobieren und unterschiedliche Ausdrücke sowie Mimiken in den Mittelpunkt stellen. Es ist ein sehr beliebter Moment beim Publikum, das sich von der Performance mitreißen lässt.
Die Kostüme, welche diesen Stil illustrieren, bleiben überwiegend 2-teilige orientalische Tanz-Outfits (Büstenhalter + langer Rock), doch in den letzten Jahren gestatten die Bauchtänzerinnen sich kleine, fantasievolle Spielereien mit modernen und innovativeren Kostümen.

Sie erteilen recht originelle Bauchtanz-Kurse, "Belly Hips Cardio" genannt. Erzählen Sie uns davon.

Es handelt sich um eine Form des orientalischen Fitness-Sports. Diese unveröffentlichte sportliche Disziplin basiert auf belebenden Gymnastik, gemixt mit Kombinationen orientalischer Tanz-Bewegungen und zu feurigen musikalischen Rhythmen mit verschiedenen Einflüssen.
Die aus dem Fitness stammenden Bewegungen bleiben Bewegungen der Muskulatur (Steps, Squats), welche von Sprüngen und Fortbewegung begleitet werden. Sie sind intensiv, wiederholen sich und beanspruchen alle Muskeln.
Die Besonderheit des "Belly Hips Cardio" besteht im Muskelaufbau mit gleichzeitiger Mobilisierung der im Fitness üblicherweise weniger beanspruchten Körperpartien wie dem Becken, den Hüften, dem Damm, der Brust, den Schultern; und dies, während man sich gleichzeitig mit der Welt des Bauchtanzes vertraut macht. Diese Aktivität bleibt jedem und jeder zugänglich, blutige Anfänger inbegriffen. Sie gestattet Muskelaufbau und Cardio-Training. Das Ziel einer Session ist es, die Form zu halten, sich zu verausgaben und bei dynamischen Liedern Spaß zu haben. Die Ausübung dieses Sports ist sehr vorteilhaft für Körper und Geist. 

Man kennt Sie ultra feminin und bei Ihren Bauchtanz-Kursen und Workshops immer hübsch angezogen. Warum und was bringt es den Tänzerinnen? Welche Art von Trainingsoutfit bevorzugen Sie? Welche Ratschläge würden Sie Schülerinnen in dieser Hinsicht geben?

Ich ziehe gerne elaborierte und bunte Unterrichts-Outfits an, welche immer unterschiedlich sind. Es ist mir ein persönliches Vergnügen, mich gut vorbereitet im Spiegel zu sehen, wenn ich meine Gruppenkurse im orientalischen Tanz gebe. Zugleich ist es mir auch wichtig, meinen Schülerinnen ein positives Bild zurückzugeben. Ich denke, dass es das Wichtigste bleibt, dass die Schülerinnen sich im Kurs und in ihrem Körper wohlfühlen. Man sollte nicht versuchen, ganz gleich wen zu imitieren, sondern man selbst bleiben. Oftmals bemerke ich zu Beginn der Saison, dass meine Schülerinnen recht rudimentäre und klassische Trainingsoutfits für den Bauchtanz besitzen (Top, Hose). Im Laufe der Zeit, beginnen manche von ihnen, mit Farben zu experimentieren, mit Zechinen-besetzten Tüchern, kurzen Oberteilen, Overalls. Es ist, als würden sie nach und nach Selbstvertrauen entwickeln und ihr Aussehen und ihre Figur leichter akzeptieren… Als Lehrerin ist es sehr befriedigend, ihrer Entwicklung in diese Richtung beiwohnen zu dürfen!

Welchen orientalischen Tanzstil mögen Sie am meisten?

Der Shaabi bleibt mein liebster Bauchtanzstil. Er entspricht mir am meisten, da er mir diesen Raum für Freiheit und Kreativität lässt, der mir bei meinem Tanz so wichtig ist. Zugleich verbindet er Energie, Kraft, Verwurzelung und Loslassen! Ich liebe es, während des Tanzens in Verbindung mit dem Publikum zu stehen; durch das Spiel meines Ausdrucks und meiner Emotionen. Und der Shaabi, beliebter ägyptischer Stil, gestattet mir dies umfassend und erinnert mich sehr an den Spirit der Hiphop Battles, an denen ich viele Jahre lang teilgenommen habe. Dort herrschen Selbstübertreffen, Spontanität, Mimiken und die Interaktion mit dem Publikum vor. Ich gehe ganz besonders auf, wenn ich einen Shaabi tanze!

Welche(r) Künstler(in) im orientalischen Tanz bringt Sie zum Schwärmen?

Es gibt so viele, dass es sehr schwer ist, jemanden zu nennen. Aber Julia Farid bleibt eine meiner Lieblingskünstlerinnen, da sie für mich den perfekten Mix aus dem ägyptischen (traditionnellen) und dem modernen Stil darstellt. Es gelingt nur wenigen Künstlern, beides in eine ästhetische Balance zu bringen. Sie tanzt immer mit sehr viel Eleganz und Anmut, unabhängig vom Stil, mit einer einwandfreien Technik. Sie ist auch extrem pädagogisch versiert, mit einer sehr eigenen Art der Didaktik!
Sie ist wirklich ein Multitalent!

Was sind die 5 Lieblingstitel Ihrer «Bauchtanz Playlist»?

Die 5 zeitlosen Titel, welche ich seit fast zehn Jahren immer auf meinem USB-Stick habe, sind:
- "Baeed Anak" von Oum Kaltoum (ein Klassiker, welchen jede Bauchtänzerin kennen sollte)
- "Enta Omry" von Oum Kaltoum (ein Klassiker, von dem auch eine wundervolle Instrumental-Version existiert)
- "Batwanes Beek" von Warda (einer unumgänglichen Künstlerin)
- "Mosh Hasaleh" von Hakim (einem sehr alten Shaabi ; Hakim liebe ich übrigens für seine beliebte Musik voller Pep)
- "Aah W Noss" von Nancy Ajram (eine orientalische Pop-Musik, welche ein Lächeln zaubert und gut tanzbar ist)

Sie zählen zu den bekannten und renommierten orientalischen Tänzerinnen unserer Generation. Können Sie uns Ihren Werdegang von der Entstehung Ihrer Leidenschaft für den Bauchtanz bis zur Gesamtheit Ihrer Aktivitäten in diesem Bereich erläutern?

Ich wurde 1986 in Lyon geboren und habe algerische Wurzeln.
Ich habe zunächst begonnen, Gymnastik- und Jazzdance-Kurse zu besuchen, als ich 10 bis 12 Jahre alt war und habe knapp 15 Jahre lang Hiphop New Style getanzt. Ich bin sehr schnell meinen damaligen Tanzlehrerinnen aufgefallen und als Amateur- sowie semiprofesionelle Tänzerinnen für mehrere Unternehmen und Crews engagiert worden: Troupe associative Jenny Team, Cie Kyvala, Cie Guesme, Cie G'Wells... 
Als ich eines Tages zufällig meine Mutter begleitete, die sich vor kurzem zu einem Bauchtanz-Kurs in einem JUZ der Lyonaiser Vororte eingeschrieben hatte, habe ich mich in die Disziplin verliebt; es war ein wahrhafter Paukenschlag. Ab diesem Moment wollte ich mehr über diesen Tanz erfahren und habe meine Fähigkeiten in Kursen, Workshops und Master Classes an der Seite großer orientalischer Tanzlehrerinnen, in Frankreich und dem Ausland perfektioniert.
Im Alter von 16 Jahren, habe ich begonnen, Bauchtanz zu unterrichten; in Lyon und dem Umland an zahlreichen Tanzschulen und Jugendzentren, was spontan über Mund-zu-Mund-Propaganda geschah.
In 2010 stieß ich in Paris zu Cie Khaled Seif Paris mit dem talentierten ägyptischen Choreografen Khaled Seif, wodurch ich mich in die folkloristischen Tänze vertiefte.
Im Jahr 2011 gründete ich die Crew "Féminissime Orient", bestehend aus 15 Hobby-Bauchtänzerinnen, welche das ganze Jahr über anlässlich öffentlicher Veranstaltungen aller Art auftritt und durch die wir bereits mehrere karitative Einrichtungen unterstützt haben.
Mit dem Verein "Féminissime Orient" biete ich auch Gruppenkurse und Bauchtanz-Workshops für ein breites Publikum.  
Seit 2012, organisiere ich ein großes Festival für orientalischen Tanz und Musik, dessen künstlerische Direktorin ich bin. Dieses Event namens "Und wenn man mir den Orient erzählte…", fand an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen in Lyon statt. Es gestattete es dem Publikum, eine breite Variation orientalischer Tanzstile kennenzulernen, nationalen sowie internationalen Künstlerinnen von großem Renommee zu begegnen und die variierte Folklore der orientalischen Kultur zu zeigen. Dieses Festival bleibt eines der verrücktesten und ambitioniertesten Projekte meiner Karriere. Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung…

Wenn Sie der Welf des Bauchtanzes eine neue, innovative Idee vorschlagen sollten, welches wäre diese?

Der orientalische Tanz entwickelt sich stetig weiter, modernisiert und kodifiziert sich, ob man es möchte oder nicht… Als Lehrerin glaube ich, dass wir uns dieser Evolution anpassen und sie unseren Schülerinnen vermitteln sollten! In meinen Bauchtanz-Kursen behandele ich alle Stile, von den traditionellsten bis zu den modernsten und ich habe absolut keine Angst vor Fusions. In der Tat denke ich, dass Fusions nicht das Bestreben haben, den traditionellen orientalischen Tanz zu ersetzen. Es ist bloß eine andere Perspektive, die man dieser Kunst gibt, um sie einer breiten Masse zugänglich zu machen. Meinerseits versuche ich jedenfalls immer, meine choreografischen Kreationen komplexer zu gestalten, sie elaborierter und origineller auszuarbeiten! Zurzeit bringe ich beispielsweise meinen fortgeschrittenen Schülerinnen eine Fusion oriental Tango Choreografie bei. Ich kann es kaum erwarten, das Ergebnis bei der nächsten Gala am Sonntag, dem 26. Juni in Lyon zu sehen und bin sicher, dass das Publikum von diesem aus der Reihe tanzenden Mix überrascht sein wird!

Entdecken Sie in einem Video die unbeschwerte Soraya mit ihren Schülern während einer orientalischen Tanzstunde:

Veröffentlicht in: Orientalische Tänzerinnen

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