Begegnung mit Caroline ACHOURI, Lehrerin für orientalischen Tanz und Datura Style
Danke an Caroline ACHOURI, erfahrene Lehrerin für orientalischen Tanz und Fusion, für die aufrichtigen und passionierten Antworten im Rahmen unseres Interviews.
Was repräsentiert der Bauchtanz für Sie?

Der Tanz im Allgemeinen stellt "ganz einfach" mein Leben dar… Obwohl dies im Alltag nicht immer einfach für mein Umfeld ist, da sich alles um den Tanz dreht – zwischen den Kursen, die ich gebe, an welchen ich teilnehme, den Kreationen und Proben, den Recherchen, den Reisen… Ich verschreibe mich dem seit über 25 Jahren zu 100 % und es hat nie abgenommen; ganz im Gegenteil. Ich wollte immer "Tänzerin sein" und sobald ich davon leben konnte, habe ich alles Übrige hinter mir gelassen, vor allem mein langes Studium und meine gerade beginnende berufliche Karriere, um mich dem Tanz und seiner Vermittlung zu widmen.
Der Tanz ist das, was mich ausmacht und mir Ausgeglichenheit schenkt, selbst wenn der Weg steinig war und bis heute ist. Nach all diesen Jahren sind die Leidenschaft und das Verlangen intakt und ich würde mich niemals zurückentwickeln… Vielleicht würde ich einige Dinge anders machen, aber immer tanzend.
Außer den Kursen für Bauchtanz und Fusion, welche Sie regelmäßig veranstalten, bieten Sie Privatunterricht für 1 oder 2 Personen. Wie arbeiten Sie während dieser Kurse? Was sind die Vorteile und Nachteile im Vergleich zu einem klassischen Kurs mit beachtlicherer Klassenstärke?

Ich liebe es, privaten Bauchtanzunterricht zu geben, selbst wenn das viel Zeit in Anspruch nimmt und enorm viel Konzentration erfordert. Man ist näher an den Bedürfnissen der Schülerinnen, welche von einer Person zur anderen sehr variabel sein können. So können die Ansprüche technisch oder choreografisch, relevant für die Bühnenvorbereitung sein oder sich einfach auf die Entdeckung einer Stilrichtung beziehen. Aufgrund dieser Tatsache muss man jedem Bedürfnis offen gegenüberstehen, es richtig erfassen und die Schülerin bei ihrem angepassten sowie personalisierten Fortschritt begleiten. Es ist also sehr anders als ein Gruppenkurs, wo es um den globalen Fortschritt geht und in dem ich selbst die Lernziele definiere.
Im Rahmen eines Privatkurses für orientalischen Tanz ist es selten, dass Schülerinnen nur für eine einzige Trainingseinheit kommen. Die Kurse finden oft über mehrere Monate statt, manchmal auch ein ganzes Jahr lang. Dies trägt dann dazu bei, dass sich sehr starke zwischenmenschliche Bindungen zwischen der Schülerin und der Lehrerin entwickeln. Der private Tanzunterricht beläuft sich nicht nur auf das Erlernen einer Disziplin oder einer Kompetenz. Es ist auch die Enthüllung persönlicher Geschichten. Man muss daher empfänglich für all das sein, manchmal die Psychologin geben, ohne sich davon überwältigen zu lassen. Aber es ist faszinierend und so bereichernd…
Außerdem zirkuliert die Energie in Gruppenkursen spontan und die Gruppe wird nicht nur von der Lehrerin getragen, sondern auch von allen anwesenden Schülerinnen. Im Privatunterricht ist die Aufmerksamkeit einseitig und omnipräsent, was einer Anpassung und konstanter Energie bedarf. Ich bin wesentlich häufiger nach 1 Privatstunde ermüdet, als nach 3 Gruppenkursen!
Sie wurden zur offiziellen Lehrerin für Datura Style ernannt? Können Sie uns genau erklären, worum es sich handelt und wie Sie diese Zertifizierung erhalten haben?

Der Datura Style wurde von Rachel Brice, weltweite Ikone des Bellydance Fusion, erschaffen. Es ist eine sehr präzise technische Methodologie zur perfekten Körperbeherrschung, aber auch eine erkennbare Ästhetik, welche durch definiertes Repertoire und Vokabular gekennzeichnet ist, welche von ihrer Gründerin ausgearbeitet wurden. Diese 2 Aspekte bringen Werkzeuge zur choreografischen Komposition sowie Improvisationstechniken hervor.
Meine Zertifizierung hat mich ins US-amerikanische Portland geführt; die Stadt, in der sich die Datura-Schule befindet. Die Zertifizierung erfolgte in 4 sukzessiven, sich entwickelnden Phasen, während derer man die Techniken und Ästhetik des Datura erlernte sowie vertiefte, aber noch weitaus mehr: die Geschichte des Tanzes, der Musik, der Rhythmik, der choreografischen Komposition gemäß der Methodologien des modernen Tanzes, die Bühnenvorbereitung, die Vorbereitung auf Übertragungen, die Arbeit und das Zusammenleben. Es ist eine ganzheitliche Ausbildung, während der wir in allen Phasen völlig eintauchten – mit einem Rhythmus von 8 Stunden pro Tag an 7 Tagen pro Woche und nach dem wir ein theoretisches sowie getanztes Examen hatten.
Rachel Brice ist eine anspruchsvolle Lehrerin, die Ihre Schülerinnen dazu bringt, sich selbst zu übertreffen und immer neue Ressourcen zu entdecken.
Es hat mich 2 Jahre verbissener Arbeit sowie Hin- und Rückreisen nach Amerika gekostet, um meine Zertifizierung zu erhalten und ich nehme immer noch an Auffrischungskursen im Fernunterricht oder direkt in den Vereinigten Staaten teil. Rachel Brice lässt Ihre Schülerinnen niemals fallen. Da sie sich selbst in einem permanenten Lernprozess befindet, hat sie ständig neue Perspektiven zu vermitteln und das ist extrem motivierend.
Heute versuche ich, meinen Schülerinnen ihr Format mit derselben Strenge zu vermitteln, während ich weiterhin neugierig auf neue Formen und Techniken bleibe. Das Ziel ist es, kein Klon zu werden, sondern meine Inspiration zu bewahren.
Die Corona-Problematik mit Masken und Lockdowns liegt hinter uns. Wie beurteilen Sie den Bereich des orientalischen Tanzes heute? Fand ein reeller und dauerhafter Neuanfang statt oder bleibt der Bereich fragil? Haben sich die Ziele und Wünsche der Schülerinnen infolge der Pandemie verändert und entwickelt?
Seit dem Neubeginn im Jahr 2022 scheint es mir, dass die Dinge sich zur Normalität zurückentwickelt haben. In jedem Fall ist es das, was ich in meinen Bauchtanzkursen und Festsälen feststelle. Und es ist wahrhaft eine Freude, sich in echt zu sehen, statt aus der Ferne (ich hasse dieses Wort und woran es mich erinnert, da ich wirklich darunter gelitten habe, orientalische Tanzkurse hinter einem Bildschirm zu geben, alleine in meinem privaten Studio. Und es tat mir auch leid für meine Schülerinnen, eingeklemmt zwischen Sofa und Couchtisch… Der seiner Essenz beraubt Tanz machte keinen Sinn mehr: Energie und Gemeinschaft). Also, ja: Es ist eine Freude, wieder an Trainingssäle und volle Bühnen anzuknüpfen und so von jeglicher Interaktion profitieren zu können. Wir alle haben uns infolge dieser Pandemie verändert. Man weiß jetzt besser denn je, wie die Dinge brutal enden können, sodass man den Wert und den Genuss im Alltag zu schätzen weiß.
Welche Fachleute und Referenzen bewundern Sie besonders im Bereich der orientalischen Tänze?
Ich werde immer Bewunderung und Anerkennung für Menschen haben, die mich im Bauchtanz sowie Bellydance Fusion ausgebildet haben und die mich inspiriert haben. In chronologischer Reihenfolge würde ich als prägende Begegnungen nennen:
- Leila Haddad, Djamila Henni-Chebra, Mahmoud Reda, Ibrahim Akef und Diana Tarkhan orientalischen Tanz betreffend.
- Rachel Brice, Mardi Love, Anita Lalwani, Carolena Nericcio, Suhaila Salimpour für Fusion und den FCBD-Style.
Da sind natürlich auch die ägyptischen Bauchtänzerinnen, die ich in Kairo bewundern durfte; etwa Fifi Abdou, Dina und Randa Kamel. Sie auf den Bühnen der Kairoer Kabarette zu sehen, war ein immenses Glück und eine unvergleichliche Quelle der Inspiration für mich.
Für welche Art von orientalischem Tanzoutfit hegen Sie eine Vorliebe?
Die Bauchtanz-Outfits interessieren mich nicht wirklich, da es vor allen Dingen die Emotion des Tanzes und der Tänzerin sind, die mich berühren. Ob sie Jeans, Trainingsanzug, Galabiya oder ein Kostüm mit Pailletten trägt – Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass die Tänzerin sich im Einklang mit ihrem Tanz und dem fühlt, was sie emotional berührt. Schließlich erinnert sich das Publikum immer an die Emotion, jedoch nur sehr wenig an das Bühnenoutfit. Natürlich benötigt man in bestimmten Kontexten geeignete Kostüme, welchen man besonderes Augenmerk schenkt. Ich bin jedoch nicht davon überzeugt, dass es das beste Kompliment ist, einer Tänzerin zu sagen "Ich liebe Dein Kostüm", ohne Ihren Tanz zur Sprache zu bringen...
Erdenken wir einige Szenarien… Wenn das Leben es Ihnen gestattete, sich in einer anderen, völlig unterschiedlichen künstlerischen Disziplin zu versuchen, welche wäre es?
Für meinen Teil wäre es, Comedian und Performerin zu sein, womit ich bereits regelmäßig im Toulouser Kabarett "Le Kalinka" Erfahrung sammele. Es gilt vor allem, Charaktere zu verkörpern, die meinem eigenen Wesen nah oder weniger nah sind, mit verschiedenen Facetten und Persönlichkeiten zu experimentieren, Emotionen zu erforschen und ihnen Leben einzuhauchen, die Stimme zu nutzen, statt nur den Körper. Es ist ein bisschen wie die Möglichkeit, andere Leben und Schicksale zu leben, eine Andere zu sein und das auszudrücken, was man im echten Leben nicht könnte oder wagen würde. Das ist manchmal verstörend, aber immer lohnend.
Entdecken Sie Caroline ACHOURI und Ihr künstlerisches Universum in diesem Video:

























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