Wie gelingen ein Wettbewerb oder ein Wettkampf im orientalischen Tanz?

Danke an Flavie, orientalische Tänzerin und Tanzlehrerin, für die aufrichtige Beantwortung unseres Interviews und wichtige Empfehlungen an junge, ambitionierte Bauchtänzerinnen.

Sie haben an zahlreichen Bauchtanz-Wettbewerben teilgenommen. Warum diese Wahl und was brachte sie Ihnen?

Seit jüngstem Alter wollte ich an Wettbewerben im orientalischen Tanz teilnehmen, mit dem Ziel, mein Niveau zu eruieren sowie mich weiterzuentwickeln, indem ich Ratschläge der Punktrichter erhielt. Dann motivierte mich die Tatsache, erste Plätze zu erreichen extrem zum Training und infolge an Wettkämpfen teilzunehmen. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt auch, dass die Tatsache, Titel zu gewinnen, meinen Platz als professionnelle orientalische Tänzerin in diesem sehr geschlossenen Milieu rechtfertigen würde. Das war letztendendes nicht der Fall. 
Ich würde daher sagen, dass die Wettkämpfe mir zu Beginn enorm geholfen haben, mich selbst kennenzulernen und zu reisen. Nichtsdestotrotz habe ich nach einer gewissen Zeit entschieden, meine Teilnahme an solchen Events zu beenden, da ich mit Bedauern feststelle, dass die Bewertungskriterien zunehmend willkürlich bis nahezu inexistent und sehr subjektiv sind.
Es ist übrigens aus diesem Grund, dass wir im Rahmen des orientalischen Tanzfestivals Aiwa Keda, das ich zusammen mit Memo Sapour koorganisiere, präzise Bewertungskriterien und -regeln beschlossen haben. So verfolgt der Wettbewerb auch ein pädagogisches Ziel. 

Wie bereitet man sich richtig auf einen Wettbewerb im orientalischen Tanz vor? Welche Ratschläge würden Sie geben?

Zunächst ist es essenziell, seine musikalische Gestaltung korrekt zu wählen. Sie muss mit der gewählten Kategorie in Einklang stehen und aus verschiedenen Teilen bestehen.
Anschließend muss man eine reiche Bauchtanz-Choreografie entwickeln, mit der man sich wohlfühlt.
Es ist unverzichtbar, der Technik Sorgfalt zu schenken, indem man sie dem gewählten Stil anpasst, Bewegungen richtig versteht; Schritte, Schrittfolgen und komplizierte Kombinationen ausführt, wenn diese beherrscht werden.
Man muss auch Wert auf die Entwicklung der Choreografie legen, indem man Energien variiert, seinen Stil ausdrückt, das Klangerlebnis berücksichtigt und seinen Tanz korrekt, gemäß der Teile des gewählten Stücks strukturiert.
Das Transportieren der Emotionen ist zudem unabdingbar. Es geht darum, sich mit dem Publikum auszutauschen, expressiv zu sein und zugleich die Musik zu übersetzen.
Die Optik ist ebenfalls wichtig. Das reicht von der Wahl des orientalischen Tanzkostüms in Abhängigkeit des gewählten orientalischen Tanzstils bis zum Bühnen-Makeup, die Frisur und Schmuck. 
Es ist essenziell, sich im Vorfeld so gut wie möglich vorzubereiten, um nicht auf den letzten Drücker bereit zu sein. Ein alltägliches Training ist erforderlich, um zu den besten Ergebnissen zu kommen. Man sollte nicht zögern, ne faut pas hésiter à demander des unterschiedliche Bauchtanzlehrerinnen um Rat zu bitten.
Und abschließend würde ich sagen, dass meine hauptsächliche Empfehlung lautet, nicht zu versuchen, besser als jemand zu sein, sondern besser als man selbst. 

Und bezüglich des Tags X, welche Tipps und Tricks würden Sie Bauchtänzerinnen, die Sie lesen, für ihre Darbietung geben?

Zu allererst sollte man am Vorabend des orientalischen Tanzwettbewerbs daran denken, gut zu essen sowie sich auszuruhen und all seine Sachen mit der größtmöglichen Sorgfalt vorzubereiten. Auf diese Weise können Sie den Tag des Wettbewerbs maximal genießen, ohne sich zu sehr unter Druck zu setzen, auch wenn das manchmal schwierig ist…
Ich würde von Natur aus gestressten Bauchtänzerinnen raten, die Durchgänge ihrer Konkurrentinnen nicht anzuschauen, um auf sich selbst konzentriert zu bleiben.

Wie ist Ihre Leidenschaft für orientalischen Tanz entstanden? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte…

Ich habe den Bauchtanz in sehr jungen Jahren durch Zufall entdeckt, als ich einer Silvestergala bewohnte. Ich habe sofort mein Herz verloren, an die weiblichen Bewegungen dieses Tanzes, der Musik, der schönen orientalischen Gewänder… Es war das erste Mal, dass ich einen Tanz hübsch fand.
Meine Mutter hat mich also zu Beginn des nächsten Schuljahrs zum Bauchtanzunterricht angemeldet. Es wurde zu meinem Traum, in dieser Disziplin zu glänzen, weswegen ich versuchte, das Glück auf meine Seite zu bringen, indem ich regelmäßig trainierte und an zahlreichen orientalischen Tanz-Festivals in Frankreich sowie der ganzen Welt teilnahm. All diese Jahre der Arbeit und Leidenschaft gestatten es mir heute, zu unterrichten und als professionnelle Bauchtänzerin zu praktizieren.

Was streben Sie für den Rest Ihrer Karriere im Bauchtanz an?

Ein Punkt, der mir sehr am Herzen liegt, ist die jungen orientalischen Tänzerinnen mit Ambitionen, die sich ebenso theoretisch wie praktisch weiterbilden, zu unterstützen, zu beraten, indem ich mit ihnen zusammenarbeite.
Ich würde ebenfalls gerne meine Tätigkeit im Unterrichten des Bauchtanzes fortführen und weiterentwickeln – durch Workshops und andere theoretische Ausbildungen, sowohl in Frankreich, wie im Ausland. 

Welche Tänzerinnen sowie Künstlerinnen inspirieren beziehungsweise beeinflussen Sie am meisten und warum?

Im Allgemeinen inspirieren mich alle orientalischen Tänzerinnen und Tänzer, da ich der Meinung bin, dass jeder etwas beizutragen hat; selbst meine Schülerinnen inspirieren mich.
Dank der Lockdowns konnte ich viele Tänzerinnen neu entdecken, die ich vorher nur vom Namen her kannte: Vladislava Sitnikova, Veronika Shulkevich, Diana Garnik, Diana Vashkevich, Tatyana Arshakyan… und von Ihrem Unterricht profitieren.
Dies gestattete es mir, mir noch bewusster darüber zu werden, wie wichtig die Wahl des richtigen Bauchtanzlehrers ist, den man aussucht, um zu lernen. In der Tat hat jede dieser Tänzerinnen ihren eigenen Stil, eine beeindruckende Technik, eine beispiellose Kultur in diesem Bereich und ist dazu imstande so zu unterrichten, dass ihre Schülerinnen sehr schnell Fortschritte machen.
Übrigens möchte ich dieses Interview nutzen, um Marina Shishkova zu danken, die mich immer unterstützt hat und es mir ermöglicht hat, an großen Bauchtanz-Wettbewerben im Ausland teilzunehmen. Ich bedanke mich auch ganz besonders bei Memo Sapour, der mich sehr ermutigt und mich in jeglicher ägyptischer Folklore ausgebildet hat.

Vervollständigen Sie diese Aussagen…

- Wenn ich ein orientalischer Tanzstil wäre, wäre ich… der Baladi. Ich habe den Baladi während dieser letzten beiden Jahre sehr präzise studiert. Ich habe eine Leidenschaft für diesen populären Stil entwickelt, dessen Beherrschung essenziell für mich ist, da er der Inbegriff des ägyptischen Tanzes selbst ist.
- Wenn ich eine orientalische Musik wäre, wäre ich… Unmöglich, eine einzige zu benennen! Mein Geschmack variiert in Abhängigkeit meiner Stimmung ;-)
- Wenn ich eine orientalische Tanzshow wäre, wäre ich... «Im Herzen Ägyptens». Diese Aufführung wird anlässlich des Festivals Aiwa Keda stattfinden und handelt von einer Geschichte, welche as Publikum mit auf eine Reise nimmt, um die ägyptische Kultur sowie einen Großteil der ägyptischen Folkloren kennenzulernen.
- Wenn ich ein orientalisches Tanzaccessoire wäre, wäre ich... ein Bauchtanz-Gürtel mit Fransen. Tatsächlich trage ich immer einen bei mir, da ich finde, dass sie die Hüftbewegungen außergewöhnlich gut unterstreichen.

Man kennt Sie als Paar mit dem orientalischen Tänzer Memo Sapour. Wie muss man sich den Alltag zweier fanatischer Bauchtänzer vorstellen – in der Stadt, aber auch auf der Bühne? In welchem Maß nimmt der orientalische Tanz einen wichtigen und prominenten Platznin Ihrem Leben ein?

Ich bin Memo dank unserer gemeinsamen Leidenschaft begegnet: dem Bauchtanz! Es ist mir nicht möglich, zwischen unserem Alltag und dem Tanz zu differenzieren, da der Tanz unser Alltag ist! Die Tatsache, dieselbe Leidenschaft zu teilen, verbindet uns enorm. Wir besitzen den gleichen musikalischen Geschmack, dieselben Überzeugungen in Bezug auf unsere Disziplin, dieselben Träume… Wir unterstützen uns jeden Tag gegenseitig. Memo zubegegnen gestattete es mir, mehr Vertrauen in mich selbst zu entwickeln, mich zu trauen, Projekte anzugehen. Es wurde zur wichtigsten Begegnung meines Lebens.
Im Alltag sind wir zugleich beste Freude, Tanzpartner und Liebende. Ich denke, dass das Teilen dieser Leidenschaft es uns auch gestattet, uns weiterzuentwickeln und unser Leben auf die bestmögliche Art zu organisieren.

Entdecken Sie die gewinnende Darbietung von Flavie während ihrer Teilnahme an einem bekannten orientalischen Tanzwettbewerb in Frankreich:

Bitte hinterlassen Sie einenkommentar

Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen