Amandine : Den orientalischen Tanz im Blut

Danke an Amandine MEVEL, Bauchtänzerin und Lehrerin für orientalischen Tanz in der Gegend von Rouen (Frankreich), für ihr Talent und ihre Spontaneität bei der Beantwortung unserer Interview-Fragen.

Wie haben Sie den Bauchtanz kennen- und lieben gelernt? Und was hat Sie dazu motiviert daraus Ihren Beruf zu machen?

Ich habe den orientalischen Tanz ein bisschen zufällig entdeckt. Meine Mutter hatte seit geraumer Zeit Lust, ihn einmal auszuprobieren und wenig später würden Kurse in unserer Nähe beginnen. Wir haben uns zum nächstmöglichen Beginn angemeldet und waren sofort gefesselt.
Im Laufe der Jahre habe ich mich sehr weiterentwickelt und meine Begeisterung wuchs stetig… Als die Bauchtanz-Lehrerin, die mich ausgebildet hatte, den Verein verließ, in dem sie trainierte, erhielt ich die Gelegenheit, sie zu vertreten. Im Anschluss habe ich damit begonnen, Tanzaufträge gegen Honorar anzunehmen, ohne nach etwas derartigem gesucht oder darum gebeten zu haben… Ich machte das wirklich aus Leidenschaft; es war sehr erfüllend derart gefragt zu sein und mir zugleich als Gymnasiastin ein Taschengeld dazuzuverdienen.
Zur gleichen Zeit habe ich meine schulische Ausbildung fortgesetzt, indem ich mehrere Kurse ohne große Überzeugung ausprobierte… Aber ich hatte abends nach der Uni eine zunehmende Anzahl von Tanzkursen und am Wochenende zusätzlich Auftritte durchzuführen, was mich unglaublich viel Zeit kostete. Von da an beschloss ich also, daraus meinen Beruf zu machen, da es „DIE“ Sache war, für die ich begabt war, die mich in Schwingung versetzte. Vor allem aber hatte ich aus Trotz keine Lust, in einer anderen Branche zu arbeiten, die mir nicht gefallen würde.

Für gewöhnlich bieten Sie einen Trainingsrhythmus, welcher sich auf wöchentlich stattfindende Tanzkurse mit etwa 18 Kursen pro Woche stützt, wenn man alle Tanzarten zusammennimmt. Wie haben Sie es geschafft, unter den derzeitigen Umständen durch Corona, diese Aktivität aus der Entfernung zu managen? Wie organisieren Sie sich, um eine derartige Bandbreite von Tanzkursen mit so vielfältigen Anforderungsprofilen (Babys, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, vom Niveau des Anfängers bis zum Fortgeschrittenen) anbieten zu können?

Während der Pandemie musste ich, wie alle anderen LehrerInnen auch, meine Tanzkurse anpassen und neu erfinden… Man ist unfreiwillig zum Profi im Online-Unterrichten geworden! Also haben wir getan was wir konnten, um unsere Schüler zum Weitertanzen zu ermutigen, aber unsere Aktivitäten wurden sehr stark eingeschränkt.
Was mich betrifft, haben meine erwachsenen Tanzschüler die Online-Kurse schnell wieder aufgegeben, da sie nicht bekommen haben, was sie gesucht haben als sie sich angemeldet hatten (Austausch, Geselligkeit…). Es gab auch diejenigen, die nicht in den sozialen Medien aktiv und die im Allgemeinen nicht besonders technikaffin sind. Bei Anderen wiederum passten die vorgeschlagenen Zeiten um zu Hause zu tanzen nicht zu ihrem Lebensrhythmus.
Bei den orientalischen Tanzkursen für Kinder war es noch komplizierter, da es vom guten Willen der Eltern abhängig war, ob diese die Zeit hatten sich zu verbinden oder nicht… Und da ich für dieses Publikum den Unterricht in Form von Gruppenspielen gestalte, ergab das alleine zu Hause nur wenig Sinn.
Es ist richtig, dass ich viele Kurse gebe und alle Altersgruppen unterrichte, aber im Laufe der Jahre habe ich mich gut eingespielt, um nicht den Überblick über die Choreografien, die Gruppen und die angebotenen Aktivitäten zu verlieren.
Für alle Gruppen eines selben Leistungsniveaus verwende ich dieselben Bauchtanz-Choreografien oder dieselben kleinen Sequenzen, welche ich tagsüber zu Hause vorbereite und die ich filme (das ist absolut unverzichtbar für mich, da ich zum Ende der Saison an die 25 Choreografien am Start habe ; ohne die Solos, Duos und Trios mitzuzählen…). Je Ich bereite nicht die gesamte Choreografie im Voraus vor, sondern schreite Stück für Stück und in kleinen Schritten, von Woche zu Woche voran ; in Abhängigkeit meiner Inspiration und des Fortschritts meiner Schüler.
Eine essenzielle Kompetenz für mich als orientalische Tanzlehrerin ist natürlich pädagogisches Geschick. Doch andere Qualitäten sind ebenfalls unverzichtbar, um diesen Beruf ausüben zu können: organisiert und sehr geduldig sein, ein offenes Ohr für meine Schüler haben, sich auf sie einstellen können… Ob für Erwachsene oder für Kinder, sind meine Bauchtanz-Kurse vor allem ein Moment der Freude und der Entspannung.
Ich habe lange Zeit als Animateurin und Direktorin in einem Freizeitzentrum gearbeitet und daher Diplome absolviert, von denen ich denke, dass sie heute meine Stärke in den Kursen mit den Kleinen sind. Übrigens habe ich eine sehr eigene Art meine Kinderkurse zu gestalten. Alles läuft spielerisch ab und die Kinder lernen, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Sich immer wieder neu erfinden, sich mit der Zeit und anhand von Neuerungen entwickeln… Das ist auch für mich erfrischend, da ich – wenn ich immer dasselbe mache – mich und damit auch meine Schüler sehr schnell langweile.

Unterrichten Sie lieber Bauchtanz oder setzen Sie lieber darbietende Events um?

Die Kurse für orientalischen Tanz gestatten es mir, meine Leidenschaft zu teilen und viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen… Der Großteil meiner Schülerinnen ist mit der Zeit zu Freundinnen geworden. Die Kurse gestatten es mir auch, ein fixes monatliches Einkommen zu haben, was bei den darbietenden Events nicht der Fall ist.
Die Aufführungen sind die Quintessenz meiner Aktivität, da man in erster Linie Tänzerin ist, dann Lehrerin… Die Shows gestatten es mir, in meinem Körper, meinem Kopf und meinem Leben im Allgemeinen aufzublühen… Ich bin eine andere Amandine wenn ich meine Pailletten trage. Bevor ich mit dem Bauchtanz anfing, war ich sehr schüchtern. Er hat es mir gestattet, mich Anderen gegenüber zu öffnen und Selbstvertrauen zu entwickeln… Bei Auftritten hat man häufig die Gelegenheit an wunderbare Orte zu kommen, wie eine echte Prinzessin behandelt zu werden und die Augen der Menschen leuchten und träumen zu sehen, wenn sie einem zuschauen; das ist zauberhaft!
In der Summe mag ich beides, aber aus völlig unterschiedlichen Gründen. Die Kurse und die Shows ergänzen sich gegenseitig.

Können Sie, als orientalische Tänzerin und versierte Tanz-Lehrerin, uns genau erklären, was man unter „Mejance“ versteht?

Mejance ist eine Musik, welche ursprünglich aus Ägypten stammt. Sie wurde speziell für Bauchtänzerinnen entwickelt und wird als Show-Musik der Tänzerin verwendet. Sie beginnt mit einem Intro, welches verhältnismäßig lange dauern kann. Es dient der Erzeugung eines Spannungsbogens, um die Tänzerin optimal in Szene zu setzen, wenn sie endlich die Bühne betritt. In diesem Augenblick muss sie in der Lage sein zu erreichen, dass man nur noch Augen für sie hat. Dann werden sich verschiedene Stile aneinanderreihen; beispielsweise der Saïdi, der Khaleegy… aber das ist sehr variabel. Für eine Tänzerin ist es ideal, wenn sie ihr gesamtes Können anhand einer einzigen Musik zeigen kann. Die großen orientalischen Bauchtänzerinnen haben oft ihre eigene Mejance. Für meine Darbietungen auf diese Art von Musik bevorzuge ich ein Kostüm zu tragen, welches einen fließenden und weiten orientalischen Tanz-Rock beinhaltet. Diesen kann man herumwirbeln lassen und mit geschickten Griffen einfangen, um mit ihm auf spielerische Weise einen umwerfenden Wow-Effekt zu schaffen.

Welches ist, aus Ihrer Sicht, ein absolut unverzichtbares Zubehör oder Kleidungsstück für jede Bauchtänzerin und warum?

Meiner Meinung nach, ist ein unverzichtbarer Gegenstand im Bauchtanz-Unterricht der orientalische Gürtel oder das Tuch, um die Bewegungen der Hüften zu unterstreichen. Das ist sehr nützlich ; vor allem, wenn man diese Disziplin gerade erst beginnt. Und auf der Bühne ist es selbstverständlich das orientalische Tanzkostüm, das die Anstrengungen der Tänzerin buchstäblich sublimiert. Je schöner Euer orientalisches Tanz-Outfit ist, desto mehr werdet ihr im Fokus Eures Publikums stehen. Für mein Empfinden ist das unabdingbar, da die Tänzerin zum Träumen bringen soll.

Wie ist Ihr Empfinden zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Welt des Bauchtanzes? Wie sieht ab sofort, Ihrer Meinung nach, die Zukunft des orientalischen Tanzes aus?

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Welt der Unterhaltung und des Sports im Allgemeinen sind schwerwiegend, sei es den Bauchtanz oder andere Disziplinen betreffend; wir sitzen alle im selben Boot… Finanziell sind wir am Ende der Fahnenstange angelangt… Mit der Wiederaufnahme des Tanz-Unterrichts sieht man endlich Licht am Ende des Tunnels, aber ich bleibe erst einmal zurückhaltend was die weiteren Folgen der Geschehnisse betrifft. Die Wiederaufnahme des Unterrichts im September wird entscheidend sein. Entweder werden die Schülerinnen in Scharen motivierter denn je kommen, um endlich wieder – wie für gewöhnlich - ihre Lieblingsaktivität aufzunehmen, oder sie werden es aus Angst vor einer x-ten Welle nicht wagen sich anzumelden, da sie im Zweifelsfall ihren Mitgliedsbeitrag umsonst gezahlt hätten.

Es ist bekannt, dass Sie aktuell schwanger sind und wir beglückwünschen Sie noch einmal zu dieser freudigen Neuigkeit! Ist es Ihnen bereits gelungen, über den orientalischen Tanz eine Art Verbindung zu Ihrem Baby aufzubauen?

Mein Baby war es von Anfang an gewohnt, Musik zu hören und Mama tanzen zu spüren.
Ich glaube (aber das ist ein sehr subjektives Empfinden), dass wenn Mama tanzt, man sie nicht dabei stören sollte, da es eine Zeit lang dauern wird; also kann man genauso gut ein kleines Schläfchen halten! Ich würde eher sagen, dass es von den Bewegungen gewiegt wird, als mit mir zu tanzen. Und nun dreht sich alles nur noch darum, es zu schaffen, mein Leben als Bauchtänzerin mit meinem Leben als Mutter zu vereinen.  

Entdecken Sie Amandine in diesem Video :

Veröffentlicht in: Orientalische Tänzerinnen

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