Bauchtanz oder Yoga?

Danke an Ursula und Eva, 2 talentierte Bauchtänzerinnen und Lehrerinnen für orientalischen Tanz, Zigeuner-Tänze und Yoga, für unsere Teilhabe an den Wurzeln, aber auch den Ähnlichkeiten und Unterschieden zwischen den beiden Disziplinen. Wir durften dabei 2 wirklich professionelle und passionierte Persönlichkeiten kennenlernen, welche vor Großzügigkeit, Resilienz, Freundlichkeit und Empathie nur so strotzen. Kurzum: alles, was wir lieben!

Parallel zum Bauchtanz unterrichten Sie Yoga. Worin besteht diese Aktivität konkret?

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Yoga ist vor sehr langer Zeit in Indien entstanden. Es ist üblich, die Schriften von Patanjali als Referenz zu nutzen; die Yoga-Sutras zu verwenden, welche zwischen dem zweiten Jahrhundert vor und dem vierten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung verortet werden. Einigen Theorien zufolge war Patanjali ein Philosoph und Sprachwissenschaftler, anderen zufolge eine Gedankenströmung.
Diese Schriften gliedern die Yoga-Philosophie in 8 unterschiedliche Prinzipien. Dies sind:
- Yama: die Prinzipien, welche es in der Beziehung zu Anderen anzuwenden gilt (Ehrlichkeit, Gewaltfreiheit...)
- Niyama: die Prinzipien, welche in der Beziehung zu sich selbst anzuwenden sind (Reinigungsrituale, Genügsamkeit...)
- Asana: Haltungspraxis
- Pranayama: die Kontrolle des Atems
- Pratyahara: der Rückzug der Sinne ins Innere des Selbst
- Dharana: die Konzentration
- Dhyana: die Meditation
- Samadhi: die Erleuchtung oder das Bewusstwerden des Selbst
Bei der Lektüre dieser Prinzipien wird offenbar, dass Yoga sich nicht auf die physische Ausübung beschränkt, sondern auch eine spirituelle Dimension beinhaltet, was es so vielseitig und kraftvoll macht.

Folgend erwähnen wir nur 2 Arten von Yoga, welche uns ganz besonders interessieren, ohne die zahlreichen anderen zu vergessen (Ashtanga, Lyengar, Kundalini, Yin...).
Hatha yoga: Dies ist der bekannteste und am häufigsten unterrichtete Stil. Die Einheiten zeichnen sich durch eine relativ geringe Anzahl an Asanas und ein eher statisches Training aus; das heißt, dass eingenommene Haltungen recht lange beibehalten werden. Der Schwerpunkt liegt auf Atmung und Haltung.
Vinyasa yoga: Hierbei handelt es sich um eine Form von Yoga, welche auf wechselnde Haltungen abzielt, welche Meditation durch Bewegung anstreben. Die Betonung liegt auf der Koordination sowie der Bewegung. Die Abfolge der Positionen unterliegt keiner Vorschrift und kann von der Lehrerin nach Belieben variiert werden.
Wir bieten einen Crossover-Unterricht aus Hatha und Vinyasa, welcher ebenso statische wie dynamische Phasen enthält, da wir dafür ausgebildet wurden und auch eher in Richtung des Vinyasas blicken. Dieses bringt Energie in Schwung und bietet größere Gestaltungsfreiheit. Währenddessen verwenden wir das sanftere Hatha vor allem zum Erlernen neuer Haltungen oder auch, um das Lerntempo von Einsteigern zu berücksichtigen. Dieser Stil-Mix ermöglicht nach unserer Erfahrung einen Unterricht, welcher sich für jeden eignet – ebenso für Anfänger, wie für Fortgeschrittene, welche dynamischeres Yoga bevorzugen.
Unsere Yoga-Kurse bereiten wir sorgfältig vor und passen die der Tageszeit sowie dem jahreszeitlichen Rhythmus des Zeitpunkts an, zu dem sie unterrichtet werden. Jeder Kurs ist als eine Serie von Vorschlägen zu begreifen, welche der persönlichen Tagesform angepasst werden können. Für Unternehmen bieten wir Gruppenkurse, Mitarbeiter-Events und Online-Unterricht an.

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Typischer Ablauf eines Kurses:
- Verbindung zwischen Atmung und Körper, oftmals ausgestreckt in Rückenlage, damit selbst Anfänger sich einfach entspannen können.
- Atemübungen
- Sanfte Übungsabfolgen in Verbindung mit der Atmung, um den Körper auf die Haltungsübungen einzustimmen.
- Schnellere Übungsabfolgen, im Stehen und / oder auf dem Boden, ebenfalls in Verbindung mit der Atmung.
- Sitzhaltungen
- Haltungen in Rückenlage
- Entspannung
In arbeitsamem, aber entspanntem Ambiente wird von Herzen gerne gelacht und in guter Stimmung nach einer besseren Kenntnis des eigenen Selbst gestrebt, um die körperliche und mentale Gesundheit zu verbessern.

Eva: “Ich mag es besonders, die mich umgebenden Menschen dazu zu bringen, mehr eins mit ihrem Körper zu sein. Durch das Praktizieren von Asanas und dem Pranayama treten wir in einen Dialog mit unserem Körper. Es ist unverzichtbar, auf seine Empfindungen zu hören, um eine Haltung optimal einzunehmen, zu fühlen, ob eine Dehnung erfolgt. Vor allem erscheint es mir wichtig, die richtige Dehnung, die richtige Ausführung zu finden, die nur für einen selbst passend sind. Man muss einen Zustand der Balance erreichen; zwischen Anstrengung und Lockerlassen.
Es ist seltsam, wie sehr die Leute Yoga mit Gelenkigkeit gleichsetzen. Viele Menschen sagen mir: «Ach, ich bin steif wie ein Brett, ich kann nicht an deinem Kurs teilnehmen.» Ich glaube daher, dass es zum Teil meiner Rolle entspricht, sie Yoga entdecken zu lassen, Vorurteile und Vorbehalte abzubauen, welche der Erfolg des Yogas mit sich brachte. Viele Menschen denken dabei an komplizierte Haltungen und legen beim Versuch, diese umzusetzen, eine verstörende Eile an den Tag. Also versuche ich vor allem Geduld, Selbstakzeptanz, Beweglichkeit und die Fähigkeit, den Moment zu erleben, zu unterrichten. Meine Schülerinnen lassen sukzessive los, was sie im Kopf hatten, alles, was sie in Zeitschriften oder auf Instagram gesehen haben. Ich glaube, dass die wahre Beweglichkeit die des Geistes ist. Ich erzähle auch viel von der Bedeutung der Mäßigung; davon, Extreme zu vermeiden, um Ungleichgewichten und den daraus resultierenden Risiken vorzubeugen. So kann Akzeptanz dabei helfen, nicht mehr das anzustreben, was man nicht besitzt. Man verwurzelt sich dann in der Realität. Es stellt eine unglaubliche Stärke dieser Yogis dar, die Aufmerksamkeit auf die Atmung sowie diesen oder jenen Bereich des Körpers zu richten. Ich fühle mich wie eine Art Guide. Wie ein Waldführer begleite ich Menschen, die eine Verbindung mit dem eigenen Ich anstreben, auf ihrem Weg in ihr Inneres. Gelingt es ihnen, Positives in manchen Bewegungen zu finden, neue Eindrücke zu erleben und unbekannte Körperpartien zu erkunden, macht mich das glücklich.”

Welches sind aus Sicht der Schülerinnen die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Bauchtanz sowie Yoga – vor allem hinsichtlich des körperlichen und sportlichen Trainings einerseits sowie dem gewünschten Wohlbefinden andererseits?

Diese 2 Disziplinen sind in unserem Training komplementär. Es ist daher ganz natürlich, dass wir sie unterrichten, um diese Ergänzung auch unseren Schülerinnen zu bieten.

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Ursula: "Yoga ist für mich eine sehr reichhaltige Aktivität, aus der ich Ressourcen schöpfe, um in mir zu ruhen. Ich norde mich neu ein, gebe in einer sehr konsequenten Art auf meinen Körper acht. Es bringt mir Disziplin beim körperlichen Training: Beweglichkeit, Körperspannung, Atmung, Meditation. Ich muss zugeben, dass es nicht immer einfach ist, dem Tanz und dem Yoga einen gleichberechtigten Stellenwert in meinem Leben einzuräumen: Manchmal besitzt eines die Oberhand; das hängt von der Phase ab.
Der wichtigste Unterschied zwischen Yoga und orientalischem Tanz ist, glaube ich, die Musik. Sie ist es, die mir Freude bringt und die Konzentration beim Yoga erschwert. In der Tat entfernt mich die von der Musik verursachte Ausgelassenheit vom Zustand umfassenden Bewusstseins.
Einer der Aspekte des Yogas, welcher mich sehr anzieht, ist die therapeutische Dimension – ebenso aus persönlichem, wie aus beruflichem Interesse. Ich denke, dass es unverzichtbar ist, seinen eigenen Körper zu kennen, um ihn bei guter Gesundheit zu erhalten und bei Bedarf heilen zu können. Und Yoga bietet uns diese Kenntnis durch Introspektion, durch Zurückerobern unseres Körpers. Dies lässt unsere westliche Medizin schmerzlich vermissen, da sie sich vor allem auf die Therapie, statt der Heilung konzentriert.
Der hauptsächliche Unterschied zwischen Yoga und Bauchtanz liegt aus meiner Sicht in der ästhetischen Dimension des Tanzes, welche beim Yoga nicht angestrebt wird. Sicherlich ist auch eine Abfolge von Asanas schön anzusehen, aber das ist nicht ihr Ziel. Der Beweis: Die Verwendung eines Spiegels ist beim Tanzen sehr wichtig, spielt hingegen beim Yoga gar keine Rolle.
Was die Empfindungen – laut Feedbacks unserer Schülerinnen am Ende eines Kurses – betrifft, scheint es, als ob Freude noch typischer für orientalische Tanzkurse ist. Einerseits, wegen der Einsatzes von Musik, andererseits, weil in der Gruppe getanzt wird. Yoga bringt hingegen viel körperliches Wohlbefinden und Sicherheit; bei einer insgesamt individualistischeren Praktik.
Die wichtigste Ähnlichkeit zwischen den beiden Disziplinen ist aus meiner Sicht die Möglichkeit, den Geist zur Ruhe kommen zu lassen und seine Fluktuation dank der Bewegung zu reduzieren."


Sie unterrichten als Duo. Wie war Ihr Werdegang als Bauchtänzerinnen und Lehrerinnen?

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Eva: "Als Nesthäkchen der Familie habe ich von der Leidenschaft meiner beiden Schwestern für den Tanz profitiert. Ich habe natürlich begonnen, indem ich Kurse im Modern Jazz Dance und zeitgenössischen Tanz bei Vereinen in einer Region belegt habe. Parallel dazu habe ich eine Ausbildung in klassischer Musik absolviert, indem ich im Alter von 5 bis 18 Jahren Klavier praktiziert habe. Musik und Tanz sind integraler Bestandteil meines Lebens.
Orientalischen Tanz habe ich zu Hause erlernt, im Alter von rund 13 Jahren.
Die technischen Basics erarbeitet man mithilfe von Videos und gelegentlich begleite ich meine Schwester Ursula bis nach Paris zu ihren Bauchtanz-Workshops.
Zu meinem 16. Geburtstag schenkte Ursula mir meinen ersten Auftritt auf einer Pariser Bühne bei einer ihrer Aufführungen.
Ich profitierte von meinem Studium in Paris, um regelmäßig hochwertige Tanzkurse zu besuchen. Ich erhielt zudem die Gelegenheit, an einigen Shows mitzuwirken und sogar Solos auf der Bühne zu präsentieren.
In der Folge entschied ich mich dazu, ein Sabbatjahr zu nehmen, bevor ich mit dem Master für Unterricht, Pädagogik und Ausbildung begann, um mich voll meiner Leidenschaft widmen zu können.
Dann lernten wir die exzellente zigeunerische Tanztruppe von Petia Iourtchenko kennen, einer russisch-zigeunerischen Choreografin, welche am Moskauer Romen-Theater ausgebildet wurde und die wir schnell integrierten.
Stepptanz ist eine Offenbarung für mich: Musik und Tanz verschmelzen zu einem großen Ganzen!
Als ich meinen Master in Aix-en-Provence abgeschlossen hatte, beschloss ich endgültig, mich der Bühnenkunst zu widmen und gemeinsam mit Ursula ein Projekt in unserer Region zu gründen.
Zurück in Compiègne gründeten wir die Crew Roza, ein Duo aus Bauchtänzerinnen und Zigeunerinnen. Wir boten im Dance Studio von Irène Jouhet Soler in der Innenstadt von Compiègne Kurse für Bauchtanz, Zigeunertänze und Yoga an.
Regelmäßig kollaborierten wir mit Vincent Martin, Komiker und Gründer des «Acte Théâtrale» in Margny-les-Compiègne. So nahmen wir 2018 am Straßenkunst-Festival «Les Années Joué» bei Tours teil.
Und einige Jahre später lud mich Vincent ein, mich an einer originellen Kreation zu beteiligen. An diese sollte sich eine Tournee durch Kurdistan (Irak) anschließen – um mit jungen französischen, kurdischen, syrischen und türkischen Komikern die größten Städte des Landes, aber auch einige Flüchtlingscamps zu besuchen.
Diese Erfahrung ging mit starken Emotionen einher und war unter kulturellen Gesichtspunkten sehr bereichernd für mich. Es war die Gelegenheit, mehr über regionale und türkische Tänze zu lernen und selbst im Arabischen Fuß zu fassen.
In der Folge vertiefte ich mein Wissen zu zigeunerischem Tanz, unter anderem durch eine Reise nach Rumänien.
Nachdem ich zwei Jahre lang auf meinen Beruf verzichten musste (Pandemie und Verletzung), habe ich meine Tätigkeit mit riesiger Freude wieder aufgenommen. Jenseits von Schritt-Technik und Bewegungen bieten mir meine Kurse Momente des Austauschs mit Schülerinnen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeden Alters), Augenblicke voller Sanftmut, Freundlichkeit, Freiheit und Vergnügen.
Letztendlich erscheint es mir essenzieller zu teilen, als nur zu unterrichten.
Der Tanz ist ein wunderbarer Spielplatz, auf dem man sich einfinden sowie seine Emotionen ausdrücken kann, sie voll und ganz mit dem gesamten Körper ausleben kann und es einem freisteht, alle Geschichten zu erzählen.

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Ursula: “Bereits in jüngsten Jahren habe ich es geliebt, zu tanzen. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind meine Eltern keine professionellen Tänzer oder Musiker von Beruf, tragen jedoch diese Liebe für Musik und Tanz in sich, welche sie ihren Kindern vermacht haben. Bereits als kleines Mädchen übte ich mich als Lehrerin und Choreografin, indem ich Familie und Freundinnen in meine familiären Shows einspannte. Und ab etwa 7 bis 8 Jahren nahm ich Unterricht in klassischem Tanz, später Modern Jazz, welchem ich mich mit bedingungsloser Leidenschaft hingab. Parallel dazu absolvierte ich eine musikalische Ausbildung und lernte zwischen 3 und 18 Jahren Klavier. Diese musikalische Ausbildung hat mich darin unterstützt, mein Gehör, mein Rhythmusgefühl und meine Liebe zur Musik zu entwickeln, welche meinen Werdegang und tänzerischen Entscheidungen bis heute prägt. In dieser Zeit war jede Woche mit Schule, Tanzunterricht und Musik voll ausgefüllt.
Als Jugendliche wurde ich von einer einstigen Konkurrentin entdeckt, die Aerobic-Kurse an meiner Tanzschule gab. Ich nahm 2 Jahre lang an Bundeswettbewerben in künstlerischen Aerobic teil. Dank dieser Erfahrung lernte ich eine Menge über leistungsorientiertes Training und die Bühne. Nachdem ich die intensive Wettkampfatmosphäre in diesem Bereich geschnuppert hatte, fehlte mir der Tanz und erinnerte mich an meine Bestimmung. Ich setzte daher meine Ausbildung durch verschiedene Modern Jazz Kurse fort, während ich die Oberschule besuchte und an einer Fakultät Umweltökonomie studierte.
Dann entdeckte ich als junge Frau kubanischen Salsa-Tanz, welchen ich 3 Jahre lang mit viel Freude als Paar praktizierte.
Mit 22 Jahren entschied ich mich dazu, mich intensiv dem Bauchtanz zu widmen und entdeckte eine echte Leidenschaft durch das Gefühl, endlich «meinen» Tanz gefunden zu haben. 
Nachdem ich die technischen Basics als Autodidaktin erlernt hatte, nahm ich anschließend auch an regelmäßigen Kursen teil, bildete mich jedoch vor allem durch Intensivkurse weiter, welche durch renommierte ägyptische Lehrer angeboten wurden; vornehmlich von Aladin El Kholy, Khaled Seif und Gamal Seif; einem Trio, welches mir durch die Teilhabe an der ägyptischen Kultur viel gebracht hat. Sehr punktuell bilde ich mich auch mit Tito Seif, Khaled Mahmoud, Dina, Jillina, Yousry Sharif, Wael Mansour, Mohamed Kazafy weiter...
Ab dem Jahr 2008 kollaborierte ich recht kurz mit einigen Pariser Vereinen (Compagnie Tellurgie von Assia Guemra, Compagnie 1001 Nacht von Gemma und Djamel Mellouk). Dann stieß ich im Jahr 2009 zur folkloristischen Truppe von Aladin El Kholy (Bonn, Deutschland), bei der ich 2 Jahre lang Mitglied war. Die Arbeit mit dieser folkloristischen Crew sowie eine Reise nach Ägypten gestatteten mir die tiefergehende Erkundung des orientalischen Tanzes und seiner Kultur.
taly-01.jpgAb dem Jahr 2010 stürzte ich mich in das gigantische Abenteuer des Unterrichtens und begann, an der Tanzschule Kim Kan (Paris 20. Arrondissement) Bauchtanzkurse zu geben.
I m Jahr 2012 erreichte ich mit der Kreation und Inszenierung von «Geburt – Al Mawlid», einer Aufführung, welche ich in Kollaboration mit Zomzom und Marc de Frutos als Verantwortlichem für den audiovisuellen Teil, peinent Meilenstein. Diese Show präsentierte in einer zeitlosen Liebesgeschichte verschiedene orientalische Folklore und erlebte durch das Pariser Publikum einen sehr enthusiastischen Einstieg.
Im Jahr 2013 brachte meine Liebe zu russisch-zigeunerischer Musik mich dazu, mich zigeunerischen Tänzen zu widmen, vor allem russischen. Zudem begegnete ich Petia Lourtchenko, von dem dem mich fast 3 Jahre lang ausbilden ließ. Auch eine Reise nach Rumänien im Jahr 2013 gestattete es mir, mich im rumänischen Zigeunertänzen zu versuchen.
2015 und 2016 organisierte ich zwei orientalisch-zigeunerische Tanzaufführungen im Theater von Ménilmontant, dann im Theater Clavel, um meinen Schülerinnen eine angesehene Bühne zu bieten.
Dann erlernte ich Vinyasa Yoga, eine dynamische Form des Yogas, welcher dem Tanz ähnelt. Diese Ausbildung gestattete es mir, mein Wissen in Anatomie sowie in Bewegungsphysiologie zu vertiefen und zu spezifizieren – für Tanzen im Einklang mit dem Körper. Mit einem Diplom der Französischen Föderation für Yoga und Yoga Alliance unterrichte ich seit 2017 Yoga.
Ich verfolge ebenfalls meine Aktivitäten als Tänzerin und werde gelegentlich auf Pariser Jahren eingeladen, um die Form von Tanz zu teilen, welche mir eigen ist: Bauchtanz, gewürzt mit zigeunerischen Bewegungen und der eine Sprache spricht, welche der orientalischen und okzidentalen Welt gemeinsam ist. Das Ganze angefüllt und verwurzelt durch die Einübung von Asanas.
Heute wird mir zudem die Ehre zuteil, ein Duo mit meiner geliebten Schwester zu bilden: Es heißt Roza. Wir bieten Kurse und Vorführungen für orientalischen sowie zigeunerischen Tanz – aus Liebe zum Tanz und aus Freude, zusammenarbeiten zu können. Durch dieses Duo besitzen wir die Möglichkeit, die Bühne mit Musikern zu teilen, welche unser Repertoire und Tänzen und zigeunerischer Musik beherrschen: die Rozisianer.

Sie unterrichten ebenfalls zigeunerische Tänze unterschiedlichen Ursprungs: rumänische Zigeunertänze, ägyptische Zigeunertänze und schlussendlich russischen Zigeunertanz. Welches sind die Charakteristika und Besonderheiten aller? Was gefällt Ihnen besonders an dieser Art von Tanz?

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Es gibt mindestens so viele zigeunerische Tänze, wie es Länder gibt, welche dieses Volk durchquert hat. Der bekannteste mit dem höchsten Grad der Akademisierung ist der Flamenco, der andalusische Zigeunertanz. Es gibt jedoch auch: indischen, russischen, rumänischen, ungarischen, griechischen, türkischen, ägyptischen, aber auch lateinamerikanischen Zigeunertanz (etwa peruanischen).
Sie besitzen folgende gemeinsame Charakteristika: das Stampfen der Füße (barfuß oder mit Absätzen), Fingerschnipsen, Fingerschellen (Rasseln, Kastagnetten oder auch Zimbeln), Klatschen auf dem Körper, Sprünge...

Folgend gehen wir etwas näher auf die Art unserer Arbeit ein.
Russischer Zigeunertanz: Der russische Zigeunertanz ist ein charaktervoller, dynamischer, fröhlicher und leidenschaftlicher Tanz. Man tanzt ihn in Flamenco-Schuhen. Damen tragen einen weiten, traditionellen Rock, Herren ein dazu passendes Outfit (im Allgemeinen Hose, Hemd und Bolero). Der Tanz zeichnet sich durch ein recht komplexes Schellenspiel aus, welches Männern und Frauen gemein ist, körperliche Schläge (eher maskuliner Part), das Vibrieren der Schultern und ausschweifende Bewegungen der weiten Röcke (bei den Damen). Dies ist die hauptsächliche Art von Tanz, welche wir unterrichten.
Rumänischer Zigeunertanz: Hier unterscheidet man mindestens 2 Arten, welche über jeweils eigene Musik verfügen: den Manele, eher orientalisch geprägt und sich auf das Becken konzentrierend, und die Cingaralas, welche Sprünge, Fußstampfen und Körperperkussionen beinhalten. Rumänische Zigeunertänze sind außergewöhnlich schnell und sprunghaft – voller Leben. Das traditionelle weibliche Outfit besteht aus einem bunten Rock mit Blumen, welcher aus einem plissierten Stoff gefertigt und sehr weit ausgestellt ist.
Ägyptischer Zigeunertanz: Eine Theorie geht davon aus, dass die Zigeuner sich aus dem Norden Indiens (Punjab) auf den Weg machten, um sich ab dem Irak auf zwei große Routen zu verteilen: die eine gen Europa, die andere gen Süden. Die ägyptischen Zigeuner wären also von dieser zweiten großen Route gekommen. Die Tänzerinnen dieses Volks werden Ghawazi (Einzahl: ghaziya) genannt, was «Eroberinnen» bedeutet. Sie tanzen auf den Straßen und bei den Festen in Kairo im 18. und 19. Jahrhundert; bis ins Jahr 1834, als sie von Mohammed Ali verbannt wurden und nach Esna in Oberägypten flüchteten. Ihr Tanz zeichnet sich durch Stampfen mit den Füßen, eine gute Bodenhaftung, Vibrationen des Beckens und ein wenig Akrobatik aus (Brücke). Die Begleitung erfolgt durch Zimbeln. Sie tragen ein farbenfrohes Kostüm (Sarouel, Hemd und Korsage oder lange Galabeya, in Abhängigkeit der Epoche), welches mit Münzen verziert ist (einst wurde oft der gesamte Reichtum als Schmuck getragen oder an die Kleidung angenäht) und mit einem Turban auf dem Kopf aufgewertet wird.
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Für uns ist zigeunerischer Tanz in erster Linie eine Art von Musik, welche direkt zum Bauch «spricht», indem sie intensive Emotionen zum Ausdruck bringt: riesige Freude oder gigantischen Schmerz, jedoch immer basierend auf Weisheit und Akzeptanz der Herausforderungen des Lebens.
Es ist zudem ein Tanz, welcher es gestattet, Männer und Frauen durch gleichartige Bewegungen zu vereinen, indem sie sich antworten, jedoch in absoluter Freiheit und ohne Anleitung. Der Frau steht es also völlig frei, ihren Charakter und ihre Weiblichkeit auszudrücken: Ihr Tanz ist kokett, lebhaft und sinnlich; bestehend aus weitreichenden Bewegungen des Rocks, präzisen Schellen, agilen Sprüngen und mit Vibrationen der Schultern veredelt. Männer haben hingegen mehrere Werkzeuge zur Verfügung, um Vitalität und Potenz durch Körperpercussions, Kastagnetten und sorgfältige Haltung auszudrücken.
Der Unterricht ist oftmals ein schöner Augenblick geteilter Freude, in dem man lernt, mit Vergnügen zu tanzen.

Welche Techniken nutzen Sie, um Schülerinnen während Ihrer orientalischen Tanzkurse zu korrigieren, ohne ihr Selbstvertrauen zu beeinträchtigen?

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Alles beginnt mit dem Empfang und der Begutachtung unserer Schülerinnen: Der Kurs steht allen Frauen offen und jede besitzt dort ihren Platz – unabhängig vom Alter und Fortschritt. Der Zusammenhalt der Gruppe entwickelt sich bereits während der ersten Wochen durch die Einrichtung einer WhatsApp-Gruppe (welche vor allem dazu dient, Choreografie-Tutorials in Form von Videos zu verschicken, jedoch auch den einfachen Austausch unter den Mädels gestattet), das gemeinschaftliche Erlernen von Choreografien vor einer Aufführung, Sammelbestellungen orientalischer Tanzkostüme und Accessoires, oder auch die Organisation geselliger Momente (Aperitif, Tanztees). Parallel zu den wöchentlichen Kursen veranstalten wir das ganze Jahr über punktuelle Events, bei denen die Schülerinnen aller Disziplinen die Möglichkeit haben, einander zu begegnen. Wir legen großen Wert darauf, unsere Schülerinnen gut zu kennen, damit sie sich wohlfühlen und in unserer Arbeitsumgebung sicher aufblühen können.
Während des Bauchtanzkurses schauen wir jede unserer Tänzerinnen an und äußern einige Anmerkungen in Abhängigkeit unserer Beobachtungen. So können wir, nach einer ersten, an die Gruppe gerichteten Anleitung, eine gezielte, individuelle Verinnerlichung der Technik herbeiführen. Stößt eine Person auf Schwierigkeiten, kann der Umstand hilfreich sein, dass die Bewegung gleich neben oder vor ihr ausgeführt wird. Eine andere Art der Korrektur kann, wenn sie es wünscht, auch darin bestehen, die Hand auf ihren Körper zu legen, um Ihr die Bewegung verständlich zu machen oder Sie bei der Hand zu nehmen, um eine Richtung anzuzeigen.

Thema Improvisation... Welches ist ihr Schlüssel zum Erfolg für eine gelungene Improvisation im orientalischen Tanz und wie bringen Sie Ihre Schülerinnen dazu, diese für einige oft sehr schwierige Übung zu mögen?

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Ursula: ”Für mein Verständnis ist es wichtig, zunächst das Vokabular zu kennen und zu beherrschen, um improvisieren zu können. Dann ist es nötig, sich die Codes und die Musik zu eigen zu machen. Wenn die Schülerin über dieses Wissen verfügt, kann man in kleinen Impro-Workshops kurzer Dauer arbeiten, damit die Schülerinnen Stück für Stück Selbstvertrauen gewinnt. Im Bauchtanzkurs streifen wir das Thema Improvisation nur am Rande: etwa die Fähigkeit, eine Schrittkombination von 3 oder 4 x8 Schritten anzubieten. Es kann anlässlich der Themenworkshops auch etwas vertiefter behandelt werden.”

Entdecken Sie Roza in diesem Video:

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