Caroline CHÂTEL: Bauchtanz als Schicksal
Danke an Caroline CHÂTEL, Bauchtanzlehrerin in Bordeaux (Frankreich), dafür, ihre Passion für den Bauchtanz mit uns geteilt zu haben, aber auch ihre Begeisterung für das Ursprungsland dieser Kunst (Ägypten) sowie für andere Aktivitäten, von denen jede Bauchtänzerin absolut profitieren kann.
Wie war Ihr bisheriger Werdegang als Bauchtänzerin und Lehrerin für orientalischen Tanz?

Ich habe den Bauchtanz Anfang 1991 für mich entdeckt, als ich für mein Sprachstudium an der Universität von Bordeaux nach Frankreich kam. Ursprünglich aus Saint-Pierre-et-Miquelon stammend (französisches Archipel nahe Neufundland in Canada), musste ich meine Geburtsinsel nach dem Gymnasium verlassen, um zu studieren.
Einmal in Bordeaux angekommen, nahm ich weiterhin Unterricht in Standardtänzen und Modern Jazz. In den Bauchtanz habe ich mich jedoch durch Freundinnen aus dem Studium verliebt, die aus Djibouti stammten: Sie wurden meine ersten Lehrerinnen! Zunächst führten sie mich in den jemenitischen Tanz ein (bei dem einige Schritte und Bewegungen an den Khaligy-Tanz erinnern), dann in etwas, das sie "Raqs Masri" nannten: der ägyptische Tanz. Von der Schönheit ihres Tanzes überwältigt, mit Musikkassetten von Amr Diab und Oum Kalthoum in der Hand (wir reden hier wirklich von einer gänzlich anderen Generation)… ließ ich Brian Adams und Pat Benatar links liegen, um ein völlig neues, zauberhaftes musikalisches Universum zu erkunden!
Die Vertiefung dieses Themas anstrebend, suchte ich dann nach einer Schule für orientalischen Tanz in Bordeaux… ohne Erfolg. Es gab jedoch Kurse für Kabyle-Tanz, die ich liebend gerne besuchte; veranstaltet von einer gewissen Samia.
Am Ende meines Studiums entschied ich mich oft, nach Paris zu reisen, um Bauchtanz-Unterricht bei verschiedenen Lehrerinnen zu nehmen, vornehmlich Leila Haddad, Ottilie Eucher und Zaza Hassan. Ich entdeckte anschließend Sana und nahm an all ihren Workshops teil, da ich ihre Didaktik außergewöhnlich fand.
Ich erreichte Bekanntheit in Bordeaux, vor allem zusammen mit den Orchestern der Region, aber auch Mund-zu-Mund-Propaganda war eine gute Werbung. In der Tat gab es zu dieser Zeit kein Internet – nicht einmal Visitenkarten. Ich gab lediglich meine Telefonnummer weiter und man nannte mich «die Kanadierin».
Das Jahr 2000 markiert einen wesentlichen Wendepunkt in meinem Werdegang als Bauchtänzerin, das erstmals Ägypten kennenlernte. Ich beschloss danach, völlig in dieses Land einzutauchen und es regelmäßig zu besuchen, um Unterricht im orientalischen Tanz zu nehmen sowie ägyptische Tänzerinnen zu sehen, der Truppe Reda zu begegnen, Arabisch zu lernen und meine Bauchtanzoutfits anfertigen zu lassen. Ich habe mich buchstäblich verliebt…
Ich lernte unter anderem Beata und Horacio Cifuentes, Yousry Sharif sowie andere kennen, besuchte ihre Kurse in Paris, New-York, Berlin. Ihr Unterricht nährte mich, bot mir eine solide Basis.
Ende 2002 musste ich eine Entscheidung treffen, da ich vorhatte, Englischlehrerin zu werden und eventuell wieder auf dem Archipel zu leben. Die Leidenschaft siegte und so stürzte ich mich ins Abenteuer, indem ich das erste Studio für orientalischen Tanz in Bordeaux eröffnete.
Letztes Jahr haben wir das 20-jährige Bestehen meiner Schule gefeiert! Hätte man mir erzählt, dass sich all dies einmal ereignen würde, hätte ich ihm nicht geglaubt!
Sie bieten regelmäßig Bauchtanz-Workshops. Welche Themen bevorzugen Sie und warum? Sind Sie eher traditionell, in Richtung Fusion oder modern und innovativ ausgerichtet?

Bei den orientalischen Tanz-Workshops, die ich in Bordeaux anbiete (14-tägig sowie als Sommer-Workshop) bevorzuge ich Themen, die in engem Zusammenhang mit Ägypten stehen, wie den Saidi, Ghawazi und das Drum Solo, welches sehr beliebt bei den Schülerinnen ist. Ich biete gerne Ateliers zu den orientalischen Rhythmen an, da ich es interessant für die Bauchtänzerinnen finde, wenn sie die Rhythmen kennen, die der orientalische Tanz beinhaltet. Ein Workshop bietet die Gelegenheit, ein Thema im Kontext der ägyptischen Musikkultur zu behandeln, die so reichhaltig und breit gefächert ist. Auf die klassische Musik von Abdel Halim Hafez zu tanzen, ist völlig anders, als auf die Musik von Ahmed Adaweya zu tanzen. Zudem nutze ich die Workshops immer, um die Ursprünge eines Tanzes, die Biografie eines Sängers oder bekannter ägyptischer Tänzerinnen und Tänzern zu erläutern – ob aus dem goldenen Zeitalter des Bauchtanzes oder zeitgenössisch. Was mir wichtig ist, ist, dass die Schülerin durch diese wundervolle Disziplin des orientalischen Tanzes eine Kultur umarmt.
Durch meine Leidenschaft für Ägypten erkläre ich allen Schülerinnen beim Einstieg tatsächlich, dass ich hoffe, Ihnen nicht nur die Liebe zu einem Tanz, sondern auch zu einem Land vermitteln zu können. Vielleicht orientiere ich mich deshalb weniger in Richtung der Fusion, auch wenn ich sie schön anzuschauen finde. Die einzige Fusion, die ich gerne einmal ausprobieren würde, wäre die orientalische Flamenco-Fusion.
Zur moderneren Art des Bauchtanzes betreffend, auf die er oft präsentiert wird, ist zu sagen, dass Isis-Flügel, übrigens ebenso wie Schleier, nicht zu den alten Bräuchen gehören. Veil-Fans ihrerseits sind in Ägypten und seiner Kultur hingegen völlig unbekannt. Ich gestehe jedoch, dass sie Tänzen eine Prise Würze, einer Gala Abwechslung verleihen können. Dennoch finde ich, dass eine Lehrerin für Bauchtanz, die diese Gegenstände im Unterricht oder Workshops verwendet, erwähnen sollte, dass dies nicht kennzeichnend für den orientalischen Stil ist, sondern zu den jüngeren Innovationen aus dem Okzident gehört. Im Zweifelsfall vermittelt sie Schülerinnen und dem Publikum fehlerhaftes Wissen. Sie sehen… in der Summe bin ich eher traditionell in meiner Art, Bauchtanz zu unterrichten.
Sie organisieren auch Reisen nach Ägypten zum Thema des orientalischen Tanzes. Was erwarten sich die Teilnehmerinnen bei dieser Art von Erfolgsrezept?

In der Tat erschien es mir mit zunehmender Erfahrung und Selbstvertrauen durch meine Reisen nach Ägypten folgerichtig, Gruppen mitzunehmen, um meinerseits meine Liebe zu und mein Wissen über dieses Land, die Welt des orientalischen Tanzes sowie meine Vision von Ägypten zu teilen. Dieses neue Abenteuer begann im Jahr 2014!
Ich nehme kleine Gruppen (von 5 bis 7 Teilnehmerinnen) mit nach Gizeh zu meiner Freundin und Kollegin Yasmina, die über eine wundervolle Örtlichkeit verfügt, wo man tanzen, die Pyramiden bewundern kann und einen friedlichen Hafen findet, nachdem man die Straßen Kairos durchstreift hat. Die Teilnehmerinnen lieben diese Aufenthalte im kleinen Kreis, da sie zugleich Intimität und Geselligkeit wünschen. Es ist die Gelegenheit für sie, Unterricht im Bauchtanz von Lehrerinnen zu erhalten (aus Ägypten oder aus dem Ausland gekommen, um sich in Kairo niederzulassen). Es bietet ihnen die Gelegenheit, Unterricht von Lehrerinnen zu erhalten (aus Ägypten oder aus dem Ausland nach Kairo gekommen). Was sie außerdem ganz besonders schätzen, ist, das Eintauchen in die Welt des Bauchtanzes zugleich mit Sightseeing verbinden zu können: einen Kurs besuchen, Shows mit traditionellem Tanz und Musik beiwohnen, spezialisierten Schneiderinnen einen Besuch abzustatten, sich das Bauchtanz-Outfit ihrer Träume anfertigen lassen!
Ich bin glücklich und dankbar zu sehen, dass hunderte Teilnehmerinnen jedes Jahr wiederkommen; was ein echter Vertrauensbeweis mir gegenüber ist.
Ich biete jetzt Aufenthalte in Ägypten in Verbindung mit dem orientalischen Tanz an, in denen ich Kairo mit anderen Regionen des Landes kombiniere; vor allem den Süden Sinais, den ich gut kenne. Und weil ich Innovationen liebe, denke ich darüber nach, in naher Zukunft auch Reisen in andere Regionen anzubieten.
Sie haben sich mit anderen Aktivitäten diversifiziert (vor allem im Yin Yoga und Pilates). Denken Sie, dass der Bauchtanz allein nicht mehr genügt, um zu begeistern? Ist es schwierig geworden, heutzutage davon zu leben?

Ich wollte meine Aktivitäten vornehmlich deshalb diversifizieren, weil ich Anregungen in anderen Projekten suchen wollte. Ich habe um 2007/2008 herum mit Pilates begonnen. Vollständig von den Vorzügen der Methode überzeugt, habe ich mich später in einer speziellen Einrichtung ausbilden lassen, um es offiziell unterrichten zu können. In der Tat ist diese Aktivität wesentlich mehr begleitet und formalisiert als der Bauchtanz. Heute gebe ich 4 wöchentliche Pilates-Kurse auf der Matte und einen Kurs für Yin Yoga. Wie beim orientalischen Tanz, in dem ich lebenslang dazulerne, bleibe ich nach wie vor wissensdurstig und möchte mich in diesen beiden Disziplinen, die ich unterrichte, stets neu erfinden.
Das Publikum, das die Kurse für Pilates und Yin Yoga besucht, setzt sich gleichzeitig aus meinen Bauchtanzschülerinnen sowie neuen Schülerinnen zusammen, die nur wegen dieser 2 Disziplinen kommen. Ich richte es derart ein, dass der Unterricht lehrreich und gesellig ist!
Inwiefern ergänzen diese anderen Aktivitäten den Bauchtanz?
Hinsichtlich des körperlichen und geistigen Wohlbefindens, die mit dem regelmäßigen Praktizieren des Pilates einhergehen, ist diese Methode von Vorteil für alle und besonders für uns Tänzerinnen, da es ein ausgezeichnetes körperliches Training darstellt. Tatsächlich stärken wir so die tiefe Muskulatur, deren stabilisierende Muskeln für einen gesunden Rücken nötig sind. Es ist auch von großem Mehrwert für unsere Haltung und die Verbesserung der Beweglichkeit. Man fühlt Unterschiede in Halt und Bewegung, welche sich nach einer Pilates-Einheit verbessern. Es sei bemerkt, dass seine ersten Schülerinnen in der Zeit, in der Joseph Pilates seine Methode in New York entwickelte, die Tänzerinnen von Martha Graham waren (amerikanische Tänzerin und Choreografin, welche als eine der innovativsten Figuren des modernen Tanzes und somit als Begründerin des zeitgenössischen Tanzes betrachtet wurde).
Das Yin Yoga, welches sich vom Pilates unterscheidet (und übrigens auch von allen anderen Arten des Yogas) und das man als «Hommage an die Langsamkeit» bezeichnen kann, gestattet es, sich mit seinem Inneren zu verbinden und muskuläre Entspannung zu trainieren. Beim Praktizieren des Yin Yogas, befinden wir uns zwischen 3 und 5 Minuten in jeder Haltung, um die Bänder oder Faszien zu erreichen. Die Praktik regeneriert sie auf diese Weise, verbessert die Beweglichkeit und befreit den Geist. Sie ergänzt jede körperliche Aktivität durch die Vorteile, welche sie beinhaltet.
Wenn das Leben Ihnen die Möglichkeit gäbe, die Zeit zurückzudrehen und manche mit dem orientalischen Tanz verbundenen Handlungen, Situationen oder Entscheidungen zu ändern: Was würden Sie ändern und warum?

Um nichts in der Welt würde ich irgendetwas ändern wollen, da mein Werdegang und dieses Abenteuer mich all diese Jahre genährt haben und mich bis heute beleben.
Das Management einer Bauchtanzschule ist in keiner Hinsicht einfach, aber die Leidenschaft ist nach all diesen Jahren nach wie vor da!
Das Unterrichten und die Kreativität sind wirklich ein integraler Bestandteil meines Lebens, was mich glücklich macht.
Ich habe noch enorm viele Projekte für meine Schule sowie meine Schülerinnen im orientalischen Tanz, Pilates und Yoga geplant. Ich habe Vertrauen in das Leben; lasse mich von meiner Intuition, Lust und Laune leiten!
Entdecken Sie das Video mit Caroline und Ihrer Tanz-Crew «Glam’Orient» bei diesem teuflisch guten Drum-Solo:

























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